Patentandems im InterviewPatentandems im Interview

Patentandems im Interview

  • Bernd und Tajidin

    Ausbildungspate Bernd und Schüler Tajdin arbeiten seit 1 ½ Jahren als Tandem zusammen. Die beiden treffen sich einmal die Woche und lernen hauptsächlich Englisch, manchmal üben sie aber auch für Mathe oder Deutsch.

     

    Tajidin: „Ich war in der neunten Klasse und brauchte Hilfe in der Schule und als Sandra Berges zu uns in die Klasse kam, habe ich mich einfach angemeldet.“

     

    Bernd: „Ich kannte Sandra durch ein ehemaliges Flüchtlings-Projekt in Marienheide und habe so vom AusbildungsPatenProjekt erfahren. Ich habe jahrelang im Beruf mit jungen Leuten zu tun gehabt und habe auch selber Kinder, daher fand ich das Projekt wichtig und interessant. Tajidin ist immer zuverlässig und freundlich. Wir sind zunehmend vertrauter miteinander geworden und kennen uns immer besser. Ich glaube auch, dass Tajidin viel Selbstvertrauen dazu gewonnen hat. Er macht jetzt auch einen Sport-Helfer-Schein, den er vorher vielleicht nicht gemacht hätte. Und ich finde es natürlich auch angenehm, Kontakt zu Jugendlichen zu haben. Das hält mich jung und wach!“

     

    Tajidin: „Ich habe mich vor allem in Englisch gebessert und auch ein bisschen in Mathe. Bernd ist so freundlich und nett und wenn ich Hilfe brauche ist er immer da. Bernd ist super.“

     

  • Gernot und Mussa

    Gernot und Mussa sind seit einem Jahr ein Tandem. Immer wenn sie sich freitags treffen, lernen sie gemeinsam Deutsch. Am Anfang hat Gernot Mussa noch viel bei Behördengängen geholfen und sich gemeinsam mit ihm um eine neue Wohnung gekümmert. Die beiden haben schon viel gemeinsam geschafft.

     

    Gernot: „Ich habe von dem Projekt durch die Zeitung erfahren. Da ich damals noch bei der Bank gearbeitet habe und für die Azubis zuständig war, dachte ich: „Das ist genau das Richtige für mich, wenn ich in Rente bin.““

     

    Mussa: „Immer, wenn ich Hilfe gebraucht habe, war Gernot da.”

     

    Gernot: „Mussa hat einen Ausbildungsplatz und eine gute Wohnung gefunden und wir müssen uns nicht mehr so viel um die Behörden kümmern. Außerdem hat er mit dem Führerschein angefangen. Mussa ist sehr zuverlässig und mit uns klappt alles immer prima!“

     

  • Reinhardt und Karim

    Reinhardt und Karim haben ein Jahr lang als Tandem zusammengearbeitet. Heute haben sie die offizielle Ausbildungspatenschaft beendet, da Karim alles erreicht hat, was er sich mit Reinhardt vorgenommen hatte. Beide wollen aber weiterhin den Kontakt zu einander halten. Wir haben sie gefragt, was sich seit ihrem ersten Treffen für sie persönlich verändert hat.

     

    Karim: „Es war mir wichtig, Vertrauen zu einander aufzubauen, sodass wir frei voreinander sprechen konnten, da über den Berufswunsch zu reden ja etwas sehr Persönliches ist. Wir haben eine gute Vertrauensbasis zu einander aufgebaut, wie eine Freundschaft … und jetzt sind wir „Bros“.“

     

    Reinhardt: „Ich habe als allererstes einen netten Menschen kennengelernt, der mir auch seine Kultur nahegebracht hat. Ich denke, ich habe jetzt mehr Verständnis für die Welt, da wir auch über die Religionen sehr offen geredet haben. Das hat mir sehr, sehr viel gebracht“.

     

    Als Abschluss ihrer offiziellen Patenschaft sollten Sie sich einmal zurückerinnern, was ihr schönster Moment während der Patenschaft war.

     

    Reinhardt: „Wenn wir in unseren Gesprächen in die philosophische Richtung abgedriftet sind und dabei gemerkt haben, dass man bei allen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten findet. Das waren die schönsten Momente für mich“.

    Karim: „Der Moment, als der Ausbildungsbetrieb ja gesagt hat und ich nicht wusste, wen ich als erstes anrufen sollte. Meine Mutter, Reinhard oder meinen Bruder. Ich hatte so Gänsehaut und war so glücklich und dann habe ich die Augen zu gemacht und auf mein Handy gedrückt und es war Reinhardt.“

     

  • Haido und Celine

    Was Celine (16) nach der Schule beruflich machen will, wusste sie schon lange: eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Doch wie kommt man an ein Praktikum, was gehört in eine gute Bewerbung und wie präsentiert man sich in einem Vorstellungsgespräch? „Hier habe ich Hilfe gebraucht und in der Schule können die Lehrer auch nicht auf die Fragen eines jeden Einzelnen eingehen“, erklärt die Hauptschülerin.

    Haido Karakoulidou ist Personalchefin bei der Oberberg-Online Informationssysteme GmbH in Gummersbach. Privat und beruflich, so die Prokuristin, ist sie an einem Punkt im Leben angekommen, an dem sie von sich sagen kann: „Mir geht es gut und ich möchte davon etwas zurückgeben.“ Also suchte sie nach Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, am liebsten für Kinder und Jugendliche. „Mit meinen Gedanken war ich schon längst bei den sogenannten Entwicklungsländern, als ich vom ‚AusbildungsPatenProjekt‘ des DRK Oberberg erfuhr und mir klar wurde, dass es auch hier junge Leute gibt, die Unterstützung gebrauchen können.“

    Heute bilden Celine und Haido Karakoulidou ein erfolgreiches „Ausbildungstandem“ und Celine hat den Ausbildungsvertrag für ihren Traumberuf in der Tasche. Auf dem Weg dorthin begleitet hat sie Karakoulidou als Ausbildungspatin: Sie hat einen jungen Menschen, der sein Leben selbst in die Hand nehmen wollte, mit ihrer Erfahrung und praktischer Hilfe dabei unterstützt, die eine oder andere Hürde auf dem Weg ins Berufsleben zu meistern – sei es beim gemeinsamen Schreiben von Bewerbungen, dem Einrichten eines E-Mail-Postfachs oder einfach nur durch ein privates Gespräch bei einem leckeren Eisbecher.

    (Auszug aus dem Artikel „AusbildungsPaten: Im Tandem in den Traumberuf“ von Fenja Jansen, Oberberg-Aktuell, 04.02.2019)

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